25. Oktober 2022

Feldkirchens älteste Geschichte ausgestellt im neuen Rathaus

Wie in vielen Gemeinden im Landkreis Straubing Bogen sind auch im Feldkirchner Gemeindegebiet zahlreiche Bodendenkmäler bekannt, die von der Jungsteinzeit bis ins Hohe Mittelalter reichen.
Sie belegen damit die weit zurückreichende Siedlungsattraktiviät der Region, die vor über 7000 Jahren begann und bis heute anhält.

Weitmundiges Vorratsgefäß mit drei Henkelösen – Münchshöfener Kultur ca. 4.100 v. Chr.

Auch wenn wir die ersten Feldkirchner Siedler, die jungsteinzeitlichen Ackerbauern und Viehzüchter nicht mehr kennen, so haben sie wie zahllose Generationen später ihre Spuren im Boden hinterlassen.
Durch die rege Bautätigkeit der letzten Jahrzehnte wurden diese Spuren aufgedeckt, sodass wir inzwischen ganz gut über die Menschen dieser lang zurückreichenden Zeiträume unterrichtet sind.
So wissen wir inzwischen, dass nach den ersten Siedlern der Jungsteinzeit auch die Menschen der Bronze- und Eisenzeit, Menschen der Zeit der Kelten und der provinzial-römischen Besiedlungszeit und natürlich auch die Bajuwaren im Gemeindebereich lebten.
Sie errichteten hier ihre dörflichen Siedlungen, bestellten die Felder, fertigten Werkzeuge und Waffen und bestatteten natürlich auch ihre Verstorbenen.

Mit den ersten schriftlichen Quellen zu Feldkirchen um 900 n. Chr. verlassen wir die schriftlose Zeit, für deren Kenntnis ausschließlich die Archäologie sorgt und erfahren so mehr über Besitzverhältnisse, Schenkungen und erste Namen von Menschen, die im Gemeindebereich lebten.
An den verschiedenen Schautafeln im Rathaus kann man Jahrtausende zurückblicken, was hier in Feldkirchen passiert ist.


„Viele Bürger sind erstaunt, dass wir hier so einen tollen Raum geschaffen haben, wo man die Besiedlungsgeschichte von Feldkirchen betrachten kann, die Erklärungen dazu, sowie die vielen Exponate. Da wir den Bürgern unsere Geschichte gerne näherbringen möchten, haben wir auch angefangen im Infoblatt immer wieder einen Bereich zu veröffentlichen. Die Möglichkeit Tafel für Tafel und Exponate erklären zu können, für die Menschen, die keine Möglichkeit haben ins Rathaus zu kommen, um sich über den Schatz an Geschichte von Feldkirchen zu informieren“, so Frau Bürgermeisterin Unger.


Ein Blickfang am Anfang der Reihe ist ein Bild eines Mammuts der Alt-und Mittelsteinzeit. Die längste Zeit der Menschheit lebten unsere Vorfahren als Jäger und Sammler. Erste Hinweise auf die Anwesenheit von Menschen im Landkreis Straubing-Bogen stammen aus der Zeit vor etwa 50000 Jahren. Hinweise dafür, dass auch im Feldkirchner Gemeindegebiet Mammuts gelebt hatten, liefern Teile von Stoßzähnen und Knochen oder auch Backenzähnen, die hier gefunden wurden.


Der Übergang von umherziehenden Jägern und Sammlern zum sesshaften Ackerbauern und Viehzüchter zeigt die zweite Tafel. Es ist wohl der wichtigste Umbruch in der gesamten Menschheitsgeschichte, diese begann vor etwa 10000 Jahren. Die Neolithiseriung (die Jungsteinwerdung) mit der Domestikation von Rindern, Schafen und Ziegen sowie von Wildgetreidesorten, der Herstellung von geschliffenen Steingeräten und frühen keramischen Gefäßen dauerte sicherlich Jahrtausende, war aber zukunftsweisend und äußerst erfolgreich. Die Neolithiker wanderten über verschiedenste Routen in unsere Region um etwa 5300 v. Chr. und errichteten auch im Feldkirchner Gemeindegebiet ihre ersten festen Siedlungen mit den typischen Langhäusern.

Die nächste Tafel zeigt Getreidesorten sowie die Textilien, die nach der Mitte des 6. Jahrtausends v. Chr. in unserer Region mit der Sesshaftwerdung bekannt wurden und der erlernten Fähigkeit frühe Getreidesorten wie Emmer, Einkorn und Dinkel zu kultivieren, vor allem jedoch für Vorrat zu sorgen somit veränderten sich auch die Nahrungsgrundlagen unserer Vorfahren. Nach aufbereiteten Pflanzen- und Bastfasern lieferten die ab der Sesshaftwerdung domestizierten Tiere nunmehr nicht nur Arbeitskraft und Fleisch sondern auch tierische Materialen wie Wolle oder Fell zur Herstellung von Kleidung und Textilien.


Bereits sehr früh haben sich Menschen geschmückt. Schmuck finden wir hier aber erst ab dem Zeitpunkt, ab dem unsere Vorfahren ihre Verstorbenen bestattet haben und ihnen Schmuckgegenstände mit ins Grab gegeben haben, wie dies auch die 4. Tafel der Ausstellung zeigt. Zu den ältesten etwa 7300 Jahre alten Schmuckstücken in unserem Raum gehören bearbeitete Muscheln, Schneckengehäuse oder Knochen. Aus Stein, Ton oder Glas wurden Perlen hergestellt, die häufig im Halsbereich getragen wurden. Neben der Keramik wurden für den täglichen Gebrauch unterschiedliche Geräte benötigt. Die 5. Tafel zeigt die provinzialrömische Zeit. Ackerlesefunde im Hinterland der ehemals im heutigen Straubing gelegen römischen Kastelle bei Opperkofen oder auch Lindloh lassen jedoch kleinere römische Gutshöfe vermuten. Kennzeichnend für diese Zeit sind vor allem die rottonigen und qualitativ hochwertigen oftmals aufwendigen Terra Sigillata Gefäße.


Nach dem Zusammenbruch des römischen Reichs im letzten Viertel des 5. Jahrhunderts n. Chr. entwickelt sich aus Teilen der verbliebenen provinzialrömischen Restbevölkerung und der germanischen Neuankömmlingen im Laufe des 5./6. Jahrhunderts eine Bevölkerungsgruppe, die erstmals von dem gotischen Geschichtsschreiber Jordanes im Jahr 551 n. Chr. als Bajuwaren benannt wurden.

Bei den im Frühjahr 2022 durchgeführten archäologischen Untersuchungen im Neubaugebiet von Opperkofen überraschte mitten im Baugebiet eine kreisrunde Ziegelsetzung.
Ein großer Sprung in die Gegenwart ist der Erhaltungszustand der Opperkofener Pferdemühle. Die Qualität und Vollständigkeit der Pferdemühle ist die nahtlose Geschichte, die im modernen neuen Rathaus in Feldkirchen ausgestellt ist.


„In Feldkirchen muss man nicht zwingend in ein Museum gehen. Ich bin sehr froh, dass die lokale Identität und auch die Heimatverbundenheit, die hier geboten wird, die Exponate auszustellen, Zuspruch findet. Es ist gut, dass die Exponate in der Region bleiben, wo sie auch gefunden wurden. Nahtlose Geschichte von über 50000 Jahren, die hier im modernen Rathaus so leicht zugänglich dargestellt wird, ist eine tolle Bereicherung für unsere Region.“ so Herr Dr. Husty, Kreisarchäologe Straubing – Bogen.
Erste Bürgermeisterin Frau Unger dankte auch Herrn Dr. Kitzinger, der die Gestaltung der Tafeln übernommen hat. „Die Inhalte, die Herr Dr. Husty geliefert hat, haben wir versucht in einem gestalterischen Rahmen zu bringen, der das Ganze unterstützt. Ich freue mich sehr über das gelungene Gesamtergebnis“, schilderte Herr Dr. Kitzinger

Ausstellung im Rathaus

„Wir freuen uns für die Bevölkerung, dass es so schön dargestellt wurde, die Funde können im Rathaus besichtigt werden, egal ob von Besuchern die kurz warten müssen oder auch von Gästen bei Trauungen die sich in dem Bereich versammeln. Feldkirchens Siedlungsgeschichte ist übersichtlich, verständlich, kurz und prägnant dargestellt. Diesen Schatz an Geschichte muss man auf jeden Fall präsentieren,“ begeisterte sich Frau Unger bei dem heutigen Fototermin.

v.l. Herr Dr. Kitzinger (photodesign), Herr Dr. Husty (Kreisarchäologe), Frau Unger (Erste Bürgermeisterin), Herr Hain (Geschäftsleiter)